Steinreich und bettelarm


Da stimmt doch was nicht! Jeder weiß das - und jeder weiß etwas anderes ...

...einer weiß, daß "die" ja alle nur sich selbst bedienen, ein anderer ordnet wissend das gesamte Übel der Existenz von Ausländern zu, und der dritte hat für ein Weilchen die "Schuldenuhr" (Bund der Steuerzahler) beobachtet und sich aus den rasenden Ziffern im Zigtausenderbereich nur zwei Werte hatte merken können: Die Staatsverschuldung von unfaßbaren 1,418 Billionen EURO und den Betrag, der pausenlos hinzugerechnet werden muß - und das sind immerhin zur Zeit 1714 EURO pro Sekunde! (Jan. 05). - So viel möchte er gerne im Monat haben!

Er rechnet demonstrativ noch einmal, obwohl er es zu Hause bereits zweimal überprüft hat und die Summe kennt: Stunde hat … Minuten a Sekunden … mal 24 …, das sind also am Tag rund 148 Millionen EURO, die unaufhörlich dazukommen!

"Eineinhalb Billionen" - wieviel ist das? "Eineinhalb Billionen" sprengt das Vorstellungsvermögen des Normalbürgers und nur wer einen Taschenrechner mit vielen Nullen hat, kann sich den folgenden Vergleich ausrechnen: Wenn ab Ende dieses Jahres keine neuen Schulden mehr aufgenommen werden würden und wenn die Schuldensumme jeden Monat um 1 Milliarde EURO getilgt werden würde, dann würde man gut 122 Jahre benötigen, um schuldenfrei zu sein.

Man sinniert noch eine Weile darüber, ob der Staat nun die Regierung oder das Volk sei, ob der eine oder der andere zahlen müsse, man habe ja selbst gar keine Schulden und was wäre denn überhaupt mit dem sogenannten Verschuldensprinzip …

Am Ende ist man sich darüber einig, daß jeder, der etwas mehr als seine zehn Finger zum Addieren und Multiplizieren zur Verfügung hat, weiß, daß so viel Schulden nicht zu tilgen sind und unweigerlich ins Chaos führen müssen - vor allem auch bei dieser selbstverständlich ebenfalls wachsenden Zuwachsrate - auch wenn diese von den Verantwortlichen immer wieder mal schöngerechnet wird.

Das Thema wird immer abstrakter. Der Blick verklärt sich und der Einfachheit halber zieht man sich wieder in den Glauben an die übernatürliche Allmacht zurück - es ist eben so und daran sei sowieso nichts zu ändern! Auf jeden Fall stimmt da was nicht!

Und niemand merkt dabei, daß unbewußt bereits die Ursache des Übels erkannt ist: Die übernatürliche Allmacht. Oder einfacher: Die unnatürliche Macht!

Ja, wenn es eine unnatürliche Macht gibt, dann muß es doch auch eine natürliche Macht geben - oder, weil das Wort "Macht" in der Erfahrung der meisten Menschen sehr negativ belegt ist, sagen wir dazu lieber "natürliche Ordnung". Eine gewachsene, nicht von künstlichen Eingriffen verfremdete Ordnung.

An dieser Stelle muß zum besseren Verständnis in der Geschichte des Lebens, also in der natürlichen Daseinsentwicklung ein Blick zurück getan werden in die Zeit, in der die Natur zum Segen der Entwicklung und des Wachstums die Zellteilung "erfand". Und weil mit der Teilung der Zelle im Laufe der Jahrmillionen auch eine Teilung der Arbeit verbunden war, hatte jedes Individuum bei Beibehaltung seiner eigenen unterschiedlichsten Bedürfnisse den doppelten Nutzen.

Aufgrund der Vielfalt der Fähigkeiten der Individuen ist ein funktionierender Austausch zur Bedarfsdeckung des Einzelnen und der Harmonie des Gesamten unverzichtbar von einer ungestörten Vernetzung untereinander abhängig.

In der Biologie längst erkannt, setzt die gesunde Funktion und die optimale Lebenserwartung aller Zellen einen konstanten und ungestörten Versorgungskreislauf voraus - meßbar in Körpertemperatur, Blutdruck und Herzschlagfolge usw.

Wie aber in allen biologischen und soziologischen Gemeinschaftsbildungen bleibt auch in der menschlichen Verbundenheit jeder für sich ein geschlossener Eigenkreis mit einem eigenen Bedarf, der durch eigene Leistung gedeckt werden muß. Kein Lebewesen kann für ein anderes atmen, essen, trinken und schlafen. Jede Eigenleistung, gleichgültig ob mit Nutzen- oder Schadensfolge, ist zufolge des Verursacherprinzips das uneingeschränkte Eigentum des Urhebers.

Um die Wachstumssteigerung nicht zu gefährden und zu begrenzen wurde es üblich, zu dieser rechtmäßigen Eigentumswahrung seiner veräußerten Leistung zunächst einen Zwischenwert anzunehmen, der bei Gelegenheit in das eigentliche Bedarfsgut weitergetauscht werden konnte. Als solche "Zwischentauschwaren" verwendete man z. B. Feuersteine, Muscheln, Salz, Rinder usw.

So genügte in den Anfängen der reinen Warentauschwirtschaft das gegenseitige Einverständnis für den gerechten Wertaustausch. In der wirtschaftlichen Steigerung wurde durch die Ausdehnung von Angebot und Nachfrage das Zusammentreffen der vielseitigen Tauschwünsche erschwert.

In diese Epoche, zeitlich etwa an der Schwelle der menschlichen Geschichtsschreibung, fiel ein Ereignis das den Stein ins Rollen brachte, der eine bis heute wachsende Lawine auslöste und die menschliche Gemeinschaft spaltete. Man hatte das Gold entdeckt.

Zunächst erfreute man sich an dem Glanz, der Seltenheit und der Besonderheit des Goldes, ohne dabei einem "Goldrausch" zu verfallen. Aber im damaligen Weltzentrum, dem heutigen nahen Osten, wo man auch die Schöpfungsgeschichte und das Paradies beheimatete, löste dieses "Edel"-Metall eine Massenpsychose der Besitzgier aus. Bis heute ist der Name des Königs der Lyder "Krösus" bekannt, der 650 v. Chr. als erster Gold zum offiziellen Zahlungsmittel machte.

Das Gold hatte es schon damals in sich!

Die griechische Mythologie überliefert, daß der phrygische König Midas sich vor lauter Gier wünschte, daß alles was er berührte zu Gold würde und entging dann dem Hungertod nur, weil durch eine Gute Tat der Fluch aufgehoben wurde.

Und Moses zerschlug angesichts der Ausschweifungen seines Volkes, dem "Tanz um das goldene Kalb", die Steintafeln, die seine "Zehn Gebote" enthielten.

Plünderungen, Kriege und Völkermorde, die immer aus Hab- und Machtgier - oder religiös bemäntelt - befohlen wurden, gingen stets aus der Sicht der "Eroberer" als Wiege des Heldentums in die Geschichtsbücher ein.

Für die Belebung und Anregung der Wirtschaft hatte das Gold zunächst einen fördernden Einfluß, denn es war begehrt, so daß man überall jedes beliebige Bedarfsgut dafür eintauschen konnte.

Seine Besitzfreude regte zu erheblichen Leistungssteigerungen an, wodurch viele Fähigkeiten geweckt und gefördert wurden. Die Tauschkreise dehnten sich aus und überwanden Stammes- und Völkergrenzen.

Doch die Gesetze der leblosen Materie sind nicht mit den Daseinsformen des Lebendigen zu vereinbaren. Die Materie ist energielos, statisch und besonders in bezug auf das Gold unwandelbar und ewig gleichbleibend. Dagegen ist das Leben dynamisch und in ständiger Bewegung im Werden, Altern und Vergehen. Es hat zu seiner Erhaltung einen ruhelosen Bedarf an Brennstoffzufuhr, Stoffwechsel und Erneuerung, so daß es in seinem Zeitwandel in absolutem Gegensatz zu der Ewigkeitswahrung des Goldes steht.

Diese Differenzen verfälschen und stören die erforderliche Harmonie in der Wirtschaftsgleichung von "Angebot" und "Nachfrage", denn die Angebotsseite unterliegt der Alterung und Verderblichkeit und damit - zur Vermeidung von Einbußen und Verlusten - dem Angebotszwang. Die Nachfrageseite wird von diesem Motor nicht getrieben - das ewige, leblose Gold ist verlustlos zu horten und dadurch in der Lage, das Angebot beliebig zu erpressen.

In dieser Gegenüberstellung ist das Leben schwächer als das Gold und das Gold stärker als das Leben. Das erforderliche Gleichgewicht von Angebot und Nachfrage wird gespalten in Nachteil und Vorteil, in Schaden und Nutzen, in Mangel und Macht.

Während der natürliche Antrieb des Angebotes durch seinen Wertverlust auf einer bestrafenden Tendenz beruht, kann das bessergestellte, ewige Gold nur durch eine Belohnung aus seinen Horten gelockt werden.

Zur Steuerung der Wirtschaft wurde diese Belohnung, in Form des Zinses ins Spiel gebracht. Das war gut gemeint aber in den Folgen falsch bedacht.

Um ein ausgleichendes Mittel für einen gleichberechtigten Wirtschaftsverkehr zu schaffen, belohnte man das Gold mit positivem und das Leben mit negativem Zins. Das störend gewordene Walten und Ordnen der Natur wurde nun durch das Ver-walten und Ver-ordnen des Menschen ersetzt und der Habgier nach Geld Tür und Tor geöffnet.

Der goldene Sonderstatus der Ewigkeit und damit der Macht und Überlegenheit blieb auch dem heutigen Papier- und Münzgeld unbeschadet erhalten. Mit der Aufhebung der begrenzenden Golddeckung explodierte das Geldwesen in die Grenzenlosigkeit.

Der traditionelle Urkapitalismus, bei dem der einfache Zins stets wieder in das Konsumgeld zurückfloß, entwickelte sich mit Hilfe des entstehenden Bankgewerbes und der damit verbundenen Kapitalkonzentration zum Neokapitalismus mit der zinseszinsbedingten, ständigen Kapitalvermehrung.

Ein ehemaliger Werbeslogan einiger Banken verschwand damals alsbald wieder in der Versenkung. Man hatte im Freudentaumel wiedererlangter Gewinnaussichten zu deutlich mit der Wahrheit triumphiert: Geld macht Geld macht Geld macht Geld

Unsere reale und instinktive Daseinsgrundlage stützt sich auf die Zählfolge: Eins, zwei, drei, vier, fünf … Tage, Stücke, Kinder, Monatsgehälter usw. Im Gegensatz hierzu zählt die zinseszinsbedingte Kapitalvermehrung in der uns völlig wesensfremden und deshalb leider unbeachteten exponentiellen Steigerungsfolge: Eins, zwei, vier, acht, sechzehn usw. Wie viele solcher Verdoppelungsbeispiele zeigen, verläuft diese Parabel immer schneller und steiler werdend aus unserem begrenzten Daseinsbereich in eine unerfüllbare Utopie.

Der Kaufmann und Wirtschaftspraktiker, Silvio Gesell, (1862 - 1930) beschreibt in seinem Hauptwerk, "Die natürliche Wirtschaftsordnung", eingehend seine Erkenntnisse und seine Problemlösung, das Geld in Übereinstimmung zur Ware in das Naturgesetz des Zeitwandels - also des Werdens, des Alterns und des Vergehens einzubeziehen.

Beispiele der Einführung solchen "gerechten" Geldes haben seit dem Altertum bis in die heutige Zeit immer wieder die Vorteile für die Bevölkerung gegenüber der Macht des Geldes bewiesen.

Der Aktualität wegen sei hier nur der bisher letzte überzeugende Versuch erwähnt, der Ende der zwanziger Jahre im österreichischen "Wörgl" die katastrophale Arbeitslosigkeit beseitigte und dann aber bei der Machtübernahme durch Hitler und durch verzweifelte Vertuschungskampagnen der Schweizer Nationalbank verhindert wurde.

Anlaß zur Hoffnung, daß die Möglichkeit eines natürlichen, existenzrettenden "Freigeldes" bei einigen mitdenkenden Bürgern noch nicht vollständig in Vergessenheit geraten ist, zeigen jüngste Initiativen in einigen Regionen mit der Einführung von Regionalwährungen. Diese sollen lediglich dazu dienen, als Lohn geleisteter Arbeit in Bedarfsgüter getauscht zu werden, ohne sich zwischendurch zu verselbständigen und dabei dem Kapital zu dienen.

Der Einführung des "Berliner - Wertgutschein, Prenzlauer Berg", ab März 2005, ist dafür Durchhaltevermögen der Beteiligten und das Interesse der Medien zu wünschen.

Leider hat die Macht des Geldes der Wenigen wie immer über das Leben der Vielen gesiegt.

Recht haben sie aber deswegen noch lange nicht. Man wird das an der weiter steigenden Arbeitslosigkeit und an der unaufhaltsamen Schuldenuhr sehen - denn zum Stillstand werden sie diese nicht bringen.

© HK jun.




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