Zwangsadoptionen in der ehemaligen DDR

Zwangsadoptionen gehören zu den dunkelsten Kapiteln beider deutscher Staaten. Wieso in beiden deutschen Staaten? In dem einen, nämlich in der ehemaligen DDR, sind sie passiert bzw. durchgeführt worden und in dem anderen, waren sie bekannt. Das heißt, sie wurden zur Kenntnis genommen und ebenso verschwiegen wie in der DDR.

Erst als ein Journalist und betroffene Eltern, die in den Westen ausreisen durften, diese Adoptionen publik machten, nahm die BRD dazu Stellung. Die Regierung der BRD zeigte sich entrüstet und behauptet davon nichts gewusst zu haben. An der stillen Komplizenschaft in West und Ost hinsichtlich de staatlich angeordneten Kidnappings und an der Inhumanität besteht jedoch kein Zweifel. Zwangsadoptionen waren eine teuflische Foltermethode der meist gütig lächelnden Frau Honecker. Um diese Zwangsadoptionen für die DDR legal zu machen, wurden eigens Gesetze dafür erlassen. Von Margot Honecker.

Sie stand dem Ministerium für Volksbildung vor und auf ihre Weisung hin sind Kinder ihren Eltern weggenommen worden, weil diese angeblich nicht in der Lage ihre Kinder "zu sozialistischen Persönlichkeiten" zu erziehen waren. Die Eltern hatten nicht das Recht, das Erziehungsziel selbst festzulegen sondern der sozialistische Staat achtete auf die richtige Erziehung. So sollte allein die Festlegung des Erziehungsziels durch die Partei eine Erziehung im Sinne des gesellschaftlichen Fortschritts gewährleisten.

Kindern war es in der DDR "fast" unmöglich eine eigene Persönlichkeit zu entwickeln. Die meisten Menschen identifizierten ihre eigene Persönlichkeit fast immer mit den Idealen des Sozialismus und versinnbildlichten damit die Ideologie der DDR. Menschen, die diese Ideale nicht automatisch übernahmen oder später durch irgendwelche Ereignisse Zweifel an diesen Idealen bekamen, entwickelten sich dann als eigenständige Persönlichkeit außerhalb der sozialistischen Persönlichkeitsvorgaben des Staates und der Partei. Meist führten diese Persönlichkeitsveränderungen zu Ausreiseanträgen, die fast immer, egal wie oft ein Bürger diesen Antrag stellte, abgelehnt wurden.

Was immer hinter diesen Ausreiseverweigerungen stand, den betroffenen Eltern bereiteten sie die fürchterlichsten Seelenqualen. Der Fall der Familie Grübel brachte Mitte der siebziger Jahre die Diskussion um Zwangsadoptionen ins Rollen. Nach bekannt werden dieses Falles ging man dann in der DDR bei politisch motivierten Adoptionen "subtiler" vor. So ist diese staatliche Kidnapping immer mit sozialem "Rufmord" einher gegangen. Die Pflicht zur Arbeit ist als "politisches Repressionsinstrument" genutzt worden und Menschen wegen „angeblicher Asozialität“ mit Hilfe des Paragraphen 145 des DDR- Staatsgesetzbuches (Verleitung zu asozialer Lebensweise)zu Gefängnisstrafen verurteilt worden. Diesen Menschen wurde dann, auf Grund dieser Verurteilung, das Sorgerecht für ihre Kinder für immer entzogen.

Das menschenverachtende Regime entlarvt sich selbst durch seine selbstsichere Buchhaltermanie: Zitat aus einem Schreiben der Jugendhilfe, das in den meisten Akten gefunden wurde (entnommen aus: Die Welt v.28.05.1991): "Am 23.10. hatten wir auf Weisung des Ministeriums für Volksbildung die Kinder abzuholen. Sie waren ruhig, ohne Hektik, waren vorher Stunden verhört worden. Sollten sich verwandte melden, um die Kinder abzuholen, haben wir das nicht zu gestatten."

Aber es gab auch andere gründe für Zwangsadoptionen. Wenn z. B. ein Parteimitglied der mit einer hohen und Vorbildwirksamen Funktion betraut war, straffällig wurde und man das unter allen Umständen vertuschen musste. Der Genosse war mit einer Frau verheiratet, die Kinder aus der ersten Ehe mitgebracht hatte und als Jugendliche schon mal mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, dann wurden auch ganz schnell irgendwelche Vorwände "gefunden". Dann wurde die Straftat des Genossen auf die Frau projiziert. Sie wurde verurteilt, ihr wurde das Sorgerecht entzogen und die Kinder adoptiert. Sie hatte keine Chance. Denn der Staat hatte immer und in jedem Fall Recht. Dem Staat das Gegenteil zu beweisen war unmöglich.

Die seelischen Qualen die den Eltern damit zugefügt wurden, gipfelten meistens in Depressionen, schweren Krankheiten bis hin zum Selbstmord. Bei diesen Zwangsadoptionen schwanken die Zahlen zwischen einigen Hundert und 7000. Die Dunkelziffer wird allerdings auf mehr als 20000 geschätzt.




"Sagt mir endlich, wo meine Kinder sind!"

Autobiographie von Eva Siebenherz

Kann ein authemtisches Buch ein Tabu brechen?

24 Jahre hat sie gelitten, hat sie gekämpft. Hat versucht ihr Leben in den Griff zu bekommen. 24 Jahre hat sie nach ihren Kindern gesucht und...

Aus dem Buch spricht eine nicht zu verkennende persönliche Stimme. Sie ist authentisch, unbedingt um Wahrheit bemüht, scheut sich nicht um unbequeme Selbsterkenntnis. Die Erzählung hat zwei hauptsächliche Stärken, der Text speist sich aus interessanten Narrativen: Einer Milieustudie der untergegangenen DDR aus der Perspektive einer Zeugin, wie sie das Feld der deutschsprachigen Literatur bislang noch keine betreten hat.

Das Projekt von Eva Siebenherz stellt einen autobiographischen Roman in Ich-Form vor. Die Ich-Figur heißt Eva. Die Erzählung spielt in Dresden (Sachsen) in der ehemaligen kommunistischen DDR und setzt mit Erinnerungen aus der Kindheit ein, idyllischen aus dem Haus der Großeltern, eher hässlichen aus einer von Beginn an vaterlosen Zeit in den Händen einer liebesunfähigen Mutter. Eva, seelisch verwahrlost, geht früh Beziehungen mit Männern ein und schlittert in frühe Ehen und Mutterschaften.

Ihre Mutter und deren Lebensgefährte, der Eva auch missbraucht, spielen eine zwielichtige Rolle dabei, als staatliche Behörden der DDR den Vorwurf gegen Eva konstruieren, die eigenen kleinen Kinder misshandelt zu haben, was Eva in Verbindung mit einigen leichtsinnigen Verstößen gegen das System schließlich den Entzug des Sorgerechts für ihre Kinder und eine mehrjährige Haftstrafe einbringt.

Der schwerste Schlag besteht aber darin, dass eines ihrer Kinder gegen Evas Willen und Einverständnis zur Adoption frei und das andere für Jahre in ein Kinderheim gegeben wird, sie verliert sie völlig aus den Augen. Der Transport ins Gefängnis und der Aufenthalt in der Haft gestalten sich als entsetzlicher Spießrutenlauf für die junge Frau, die immer wieder aufbegehrt, weil sie sich unschuldig fühlt und gegen schikanöse, demütigende und schlichtweg menschenunwürdige Haftbedingungen rebelliert, wozu auch Haftverschärfungen gegen diejenigen gehören, die Spitzeldienste verweigern.

Die entsprechenden Abschnitte im Buch liefern eine schonungslose Darstellung der Diktatur und ihrer Mechanismen der lückenlosen Überwachung am authentischen Fall einer jungen Frau, die das System für asozial erklärt, kriminalisiert, alle Versuche, nach der Haft ein einigermaßen normales Leben zu führen, unterbindet und die das System schließlich nur unter weiteren Erpressungen und Schikanen in den Westen ausreisen lässt.

Im letzten Drittel des Romans wird auch geschildert, wie Eva versucht, die Schatten ihrer DDR-Vergangenheit zu bannen. Sie begibt sich auf die Suche nach ihrem tot geglaubten Vater und findet ihn und auch ihren vergessenen Halbbruder letzten Endes. Mühselig, schmerzhaft und im Ergebnis weniger eindeutig gestalten sich die Versuche, den Frieden mit der Mutter zu machen und die beiden ältesten Kinder wieder zu finden, die ihr einst in der DDR weg genommen worden waren. Die Recherche der eigenen persönlichen Katastrophe in der Vergangenheit bildet für den ganzen Roman eine Klammer und ihr ungewisses Ergebnis verleiht ihm eine durchgehende Spannung. Es spricht für den Roman, dass am Schluss einiges offen bleibt, neben Einsicht und Glück tritt die Wehmut über nie wieder gut zu machendes.

Schlussbemerkung:

Als unbekannter Erstautor ist es fast unmöglich in Deutschland einen Verlag zu finden, der keinen Druckkostenzuschuss von seinen Autoren nimmt. Andere Verlage haben eine Veröffentlichung abgelehnt, weil angeblich das Thema „zu heiß“ sei und die deutschen Leser nichts mehr von der ehemaligen DDR hören wollen. Selbst in der Regierungskommission „Zur Aufarbeitung der DDR-Diktatur“, die Kanzlerin Merkel ins Leben gerufen hat, sind die Themen Zwangsadoption, Haftbedingungen und deren Folgen nicht zu finden. Die Opfer werden ignoriert, sie sind nicht – also muss auch keine Aufarbeitung stattfinden. Wann hat diese Ignoranz endlich ein Ende? Wann bekommen diese Menschen endlich Hilfe und Unterstützung? Eva Siebenherz möchte versuchen diese Unterstützung zu geben. Mit Hilfe des Buches und einem Verein für die Opfer von Zwangsadoptionen.

Das Buch "Tränen aus Eis" wird in den nächsten Wochen veröffentlicht. Der genaue Termin wird in einer Pressemitteilung bekannt gegeben.






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