Gral vs. Kaaba - christliche und muslimische Reliquienverehrung an Beispielen

Eine Facharbeit im Grundkurs Religion

Autor: Florian Hellmann (St. Ursula - Gymnasium Neheim)


Inhaltsverzeichnis

1. Einführung

Durch den Weltbestseller "Sakrileg" von Dan Brown, ist die Kirche in die Fokusse der Autoren geraten. Seitdem sich Dan Brown in seinen drei Thrillern "Illuminati", "Diabolus" und "Sakrileg" mit der Religion und dem Vatikan auseinandergesetzt hat, ist es zur Zeit, in den Kreisen der Autoren, Mode geworden, diese Idee weiter zu führen. Das zentrale Thema ist: "Der Heilige Gral".

Über keine andere Reliquie wurde jemals soviel geschrieben, sowie Filme und Dokumentationen gedreht, obwohl es auch noch einige andere interessante Reliquien gibt. Doch auch ich werde mich in dieser Facharbeit mit dem "Heiligen Gral" beschäftigen, da die Geschichte teils mysteriös und teils biblisch zu belegen ist. Doch auch andere Themen sollen in dieser Facharbeit nicht zu kurz kommen!

Mir ist es auch wichtig, in einer anderen Religion Nachforschungen zu tätigen. Denn es stellt sich unter anderem die Frage, ob nur in unserer Religion (Christentum) "Der Heilige Gral" verehrt wird! Aber welche Frage man sich vorher stellen sollte, ist die, ob "Der Heilige Gral" in anderen Religionen bekannt ist! Deswegen wurde die Facharbeit mit der Überschrift "Christliche und muslimische Reliquienverehrung an Beispielen" versehen.

2. Die heiligen Reliquien der christlichen Kirche

Bevor ich die wichtigsten Reliquien aufzähle und etwas über deren Ursprung und Hintergründe der Objekte erzähle, sollte man sich zuerst einmal zwei Fragen stellen:

    1. Was bedeutet das Wort Reliquie?
    2. Was sind Reliquien?
Damit die erste Frage beantwortet werden kann, sollte man das Wort Reliqu- ie genauer betrachten. Wie Sie sehen, habe ich es schon durch einen Gedankenstrich getrennt. So kann man zum Rückschluss kommen, dass dieses Fremdwort dem lateinischen entspringt. Die dazugehörige lateinische Vokabel, die von mir gefunden worden ist, heißt "reliquus, -a, -um". Die Bedeutung lautet "übrig", "restlich". Im Wörterbuch der Religionen findet man außerdem die Bedeutung "lat. "Hinterlassenschaft" ". Die Vokabel ist wahrscheinlich von "reliquiae" abgeleitet.

Dadurch, dass die Frage nach der Bedeutung "Reliquie" geklärt ist, kann man versuchen die zweite Frage zu beantworten. Die Übersetzungen "übrig", "restlich" und "Hinterlassenschaft" geben schon gewisse Hinweise oder Denkrichtungen vor. Reliquien sind letztendlich "Hinterlassenschaften" von heiligen Personen.

"Sie [Reliquien] sind in erster Linie dessen Leichnam oder Teile desselben (Schädel, Knochen, bes. Finger und Zehen, Armbein, Kinnbacken, Haare), in zweiter Linie Gegenstände, welche er getragen hat, insbesondere Kleider und Waffen." 1 Es gibt aber noch eine dritte Gattung der Reliquien und diese nennt sich Berührungsreliquie. Sie wird als Reliquie definiert, die ein Heiliger berührt haben soll. 2

Nachdem man jetzt weiß, dass die Reliquie eine "Hinterlassenschaft" einer heiligen Person ist, kann man sich jetzt mit den Arten der Reliquien beschäftigen. Es gibt natürlich viele verschiedene Arten. Jede katholische Kirche besitzt mindestens eine Reliquie, die im Altar eingelassen ist. Selbst unsere Schule, das St. Ursula Gymnasium, welche eine katholische Schule ist, besitzt eine. Sie besteht aus einem Stück Stoff, welches von der Kleidung der Ursulinen- Ordensschwester Blandine Merten OSU stammt. 3

Doch nicht alle Reliquien, die die christliche Kirche aufweisen kann, werden in der Bibel erwähnt oder liegen im Ursprung von Jesus Christus. Doch die Reliquien, die in der Bibel vorgestellt werden, sind sehr interessant, vor allen Dingen in welchem Zusammenhang sie dort erwähnt werden. Deswegen möchte ich mich mit denen beschäftigen, die etwas mit dem letzten Lebensabschnitt von Jesus Christus zu tun haben. Darunter fallen: "Der Heilige Gral", "Die Heilige Lanze", der "Rock" und das "Turiner Grabtuch". Leider werde ich aber nur eine der vier genannten Reliquien in dieser Facharbeit, wegen der mir vorliegenden Vorschriften, ausführlicher thematisieren können.

Man kann dieses Themengebiet allerdings auch noch weiter ausdehnen. Denn es sind nicht nur unbedingt die Reliquien wichtig, die in der Bibel erwähnt werden, sondern jede Reliquie ist ein Individuum und hat seine eigene Geschichte.

Wie man an der Überschrift des Kapitels erkennen kann, habe ich mich für den heiligen Gral entschieden. Der Grund ist der, dass man eigentlich nicht genau weiß, woher der Mythos "Der heilige Gral" kommt. "Der heilige Gral", wird häufig mit der Arthur- Sage in Verbindung gebracht, denn in der Literatur wird er zwischen den Jahren 1170 und 1180 zum ersten mal erwähnt.

Der Roman stammt von einem Dichter der namentlich nicht ganz zuzuordnen ist. Entweder heißt der Dichter, welcher von Graf Philip von Flandern beauftragt wurde, "Guiot de Provence", "Guiot de Provins" 4 oder "Chretien de Troyes" 4. Allerdings beendete er seinen Roman nie, denn er verstarb vorher an Tuberkulose. Dadurch versuchten sich immer mehr Autoren an diesem Thema und der Mythos "der heilige Gral" verbreitete sich. 6

Um die Ursache des Mythos "Der Heilige Gral" zu untersuchen, nehme ich mir die drei Synoptiker vor. Als erstes Markus, danach Matthäus und zu allerletzt Lukas, denn es wird gesagt, dass "Der heilige Gral" der Kelch vom letzten Abendmahl sei.

"Dann nahm er den Becher, sprach darüber das Dankgebet, gab ihnen auch den, und alle tranken daraus. Dabei sagte er zu ihnen: "Das ist mein Blut, das für alle Menschen vergossen wird. Mit ihm wird der Bund in Kraft gesetzt, den Gott jetzt mit den Menschen schließt.[...]"" (Mk 14,23-25)7

"Dann nahm er den Becher, sprach darüber das Dankgebet, gab ihnen auch den und sagte: "Trinkt alle daraus; das ist mein Blut, das für alle Menschen vergossen wird zur Vergebung ihrer Schuld. Mit ihm wird der Bund in Kraft gesetzt, den Gott jetzt mit den Menschen schließt. [...]"" (Mat 26,27-29)8

"Dann nahm er den Becher mit Wein, sprach darüber das Dankgebet und sagte: "Nehmt diesen Becher und teilt ihn unter euch! Denn ich sage euch: Ich werde erst wieder Wein trinken, wenn die neue Welt Gottes da ist."" (Lk 22,17-19) 9

Wenn man jetzt die drei Textstellen der drei Synoptiker vergleicht, stellt man fest, dass sich die Synoptiker nicht nur ähneln, sondern auch teilweise das Geschehen der Kreuzigung anders darstellen. Matthäus ergänzt Markus um einige Wörter, Lukas aber sticht als einziger heraus. Zwar sprechen alle davon, dass im übertragendem Sinne in dem Kelch das Blut Christi sei, doch Lukas schreibt nicht wie die beiden anderen, dass das Blut einen Bund zwischen Mensch und Gott schließt.

Doch die Texte aus der Bibel thematisieren den Kelch nicht als etwas besonderes, sondern nur den Inhalt. Wie aber kommen die Mythen und Legenden um den "Heiligen Gral" zustande? Warum schreibt Johannes (der vierte Evangelist) nichts über das letzte Abendmahl? Kann man daraus schließen, dass es den Kelch nicht gibt?

Während einer Internet- Recherche wurde ich fündig.10 Auf einer Seite wird geschrieben, dass im Nikodemus- Evangelium "Der Heilige Gral" als ein Gefäß beschrieben wird, womit Joseph von Arimathäa Jesus Blut gesammelt hat. "Ihr habt nicht schön an dem Gerechten gehandelt, daß ihr keine Reue empfunden habt ob seiner Kreuzigung, sondern ihn sogar mit einer Lanze durchbohrt habt." (XII)11

Aus dieser Textstelle, die im Nikodemus- Evangelium zu finden ist, und der Information, dass Josef von Arimathäa Jesus Blut aufgefangen hat, kann man folgendes schließen: Wahrscheinlich wurde das Blut während der Kreuzigung aufgefangen, als Jesus mit der Lanze durchstochen wurde. Die Vermutung, dass Jesus mit der Lanze durchbohrt wurde, kann man auch im Johannes- Evangelium nachlesen. Dort steht geschrieben: "Aber einer der Soldaten stach ihm mit seinem Speer in die Seite. Da kam Blut und Wasser heraus." (Joh 19,34) 12

Somit ergeben sich drei mögliche Bedeutungen:

    1. Der Kelch vom "Abschiedsmahl" mit seinen zwölf Jüngern
    2. Der Kelch als Auffanggefäß vom Blut Jesus Christus und
    3. Eine Kombination aus den ersten beiden Punkten. Das Blut wurde mit dem gleichem Kelch aufgefangen, welcher beim letzten Abendmahl verwendet worden ist. 13

Aber das Nikodemus- Evangelium gehört zu den Apokryphen 14 , das heißt dass dieses Buch nicht in den Kanon der Bibel aufgenommen worden ist und vom keinem Pastor oder Priester gelehrt sowie verkündet wird. Man geht davon aus, dass das Evangelium erst im 5. Jahrhundert 15 entstanden sei. Kann man dann diesem Evangelium Glauben schenken?

Josef von Arimathäa soll den "Heiligen Gral" nach Glastonbury in England gebracht haben. Wer aber war dieser Josef? Diese Frage lässt sich anhand der Bibel leicht beantworten. Er war ein jüdischer Ratsherr (Mk 15.43; Lk 23.50f.) und, nach anderen Bibelstellen, ein "heimlicher" Jünger (Mt 27.57; Joh 19.38). Er bat Pilatus nach der Kreuzigung von Jesus, um dessen Leichnam und legte ihn in seine Familiengruft (Mt 27,60) oder, wie es bei Johannes beschrieben wird, setzte ihn in einem Grab nahe seiner Kreuzigungsstätte bei. (Joh 19,41).

In England übergab Josef von Arimathäa also den "Heiligen Gral" einem "Wächter" zur Aufbewahrung. Dieser und seine "Erben" sollen ihn mehrere Jahrhundert aufbewahrt haben.16 Welche Rolle aber spielen dann die Katharer, denn diese sind Süd- Franzosen? Der "französische Dichter" schrieb in seinem Roman, dass sich der Gralsbecher in den Pyrenäen befinden würde und zwar in der Region Languedoc- Roussillon.

Die Pyrenäen sind die Grenze zwischen Südfrankreich und Spanien. In der Region Languedoc- Roussillon lebten im 12./ 13. Jh. die Katharer. Sie waren außerdem auch in der Region Midi- Pyrénées anzufinden.17 Durch diese Ortsangabe geleitet, suchten die Gralsanhänger dort den "heiligen Gral".

Nach der Niederlage des 4. Kreuzzuges (1202- 1204), schickte Papst Innozenz III., eine 30000 Mann starke Truppe nach Süd- Frankreich, um den Katharern den "Heiligen Gral" zu enteignen und diese auszurotten.18 Denn die Katharer waren eine Glaubensgemeinschaft, die vom Papst als ketzerisch erklärt wurde. Sie gehörten einer christlichen Glaubensbewegung - dem "Katharismus" - an.19

Der Glaube dieser Gemeinschaft ist sehr einfach zu verstehen. Sie glaubten an einen "guten Gott" und nicht an einen "Richtergott", wie er im Alten Testament beschrieben wird. Außerdem entsagten sie "Luxus, Reichtum und Vergnügen". Schnell fanden sich viele Anhänger, weil sich dieser Lebensstil, mit weniger Arbeit, leicht zu realisieren war. Dadurch verlor die christliche Kirche Einfluss auf die Katharer, weil diese die Kirchensteuer nicht mehr zahlen wollten; der Vatikan verlor schnell die Kontrolle über sie.

Dem Vatikan waren sie ein Dorn im Auge, weil die Katharer in Süd-Frankreich sehr beliebt waren. Das kam dadurch, dass sie sich an ihre Grundsätze hielten, welche sie predigten. Es drohte eine neue Religion zu entstehen, welche schnell viele Anhänger finden würde. Um dies zu vermeiden, beauftragte der Papst die Inquisition und ließ die Katharer brutal verfolgen. Er belagerte auch die "Katharerburg Montségur", welchen den schlimmsten Höhepunkt der Geschichte einnimmt. Er isolierte die Burg ein Jahr lang (1243- 1244), bis zur Kapitulation. Danach fanden alle Menschen, d.h. sogar Frauen und Kinder, innerhalb der Burg einen grausamen Tod auf dem Scheiterhaufen.20 Gerüchte zufolge sollen vier Katharer, vor dem Fall der Burg, entweder den "Heiligen Gral" oder Aufzeichnungen über den Aufenthaltsort des Grabes Christi in Sicherheit gebracht haben. 21

Genau an dieser Stelle kommen die Tempelritter ins Spiel. Denn die 4 Katharer, die vor dem Fall der Burg flüchten konnten, sollen, durch die Übergabe des "Schatzes" an die Tempelritter, den "Heiligen Gral" in Sicherheit gebracht haben22 oder den Ort des Grabes von Jesus offenbart haben können.

Der Templerorden wurde von neun abendländischen Adligen um das Jahr 1120 gegründet. Die Gründung des Templerordens ist bis zur Zeit des ersten Kreuzzuges (1095- 1099), zurückzuführen.23 Sie spalteten sich von dem Orden der Kreuzritter ab. Auf ihren Mänteln trugen sie am Herzen das sogenannte Tatzenkreuz. Es symbolisiert das Leiden Christi: "Rot für das vergossene Blut und als Farbe des Lebens."24 Sie ritten unter dem gottesfürchtigen Leitspruch: ""Nicht uns, o Herr, nicht uns, sondern Deinem Namen sei Ehre."" 25

Die Aufgabe der Templer war, die Pilgerwege nach Jerusalem vor den Arabern zu schützen. 26 Doch diese Aufgabe übernahmen sie erst, als sie die eigentliche Mission erfüllt hatten.27 Die Mission wurde im Jahre 1105 gestartet. Sie suchten, bis in das Jahr 1127, im Tempelberg nach irgendeinem "Schatz".28 Wie wir wissen, wurde Jerusalem auf dem Tempelberg errichtet, genau da, wo die Templer nach dem "Schatz" gruben.

Sie müssen zwar fündig geworden sein, doch ich wage es stark zu bezweifeln, dass es etwas mit dem "Heiligen Gral" zu tun hatte. Denn ich habe vorher geschildert, dass die Katharer den Templern ihr Geheimnis, erst nach dem Fall der Katharerburg Montségur, anvertraut haben. Des weiteren gibt es das Gerücht, das die Templer im Besitz der "Bundeslade" gewesen seien. Dies könnte der Wahrheit entsprechen, denn diese befand sich noch im Besitz der Araber in Jerusalem. Zwar wurde Jerusalem zweimal von Nebukadnezzar belagert( ca. 587 v. Chr.), erobert und später ausgeraubt, doch steht in der Bibel nirgendwo geschrieben, dass die "Bundeslade" in die Hände der Babylonie geraten ist (2 Kön 24- 25). Denn dass wäre garantiert erwähnt worden!

Außerdem wird im 2. Makkabäer behauptet, dass der Prophet Jeremia die Bundeslade vor dem Fall Jerusalems, verstecken konnte. Es steht geschrieben: "In dem Buch stand weiter zu lesen, daß der Prophet einen Gottesspruch empfangen habe und daraufhin das Zelt und die Lade hinter sich hertragen ließ. Er sei hinausgegangen zu dem Berg, auf dem Mose gestiegen war, [...]. dort fand Jeremia ein Höhle wie ein Haus. Er trug das Zelt, die Lade und den Rauchopferaltar hinein; dann verschloß er den Eingang." (2 Makk 2,4-5)29

Der Orden, mit dem richtigem Namen ""Arme Ritterschaft Christi vom salomonischen Tempel""30 , wurde im Jahre 1312 vom Papst aufgelöst, verhaftet und auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Jeder Versuch, den Templern unter Folter ein Geständnis über den Aufenthaltsort des "Heiligen Grals" zu entlocken, schlugen fehl. Einige überlebten und flohen nach Portugal und traten dort Orden bei oder aber sie flüchteten nach Schottland und gaben sich dort als Freimaurer aus. Doch Beweise gibt es dafür nicht. 31

Wie man sieht ist die Geschichte des "Heiligen Grals" ziemlich verzwickt und man bekommt nur schwer eine Struktur dort hinein. Außerdem lässt sich das alles nicht beweisen und man findet in den Quellen viele Unterschiede. Aber genau das ist das interessante! Man weiß nicht, ob das Geheimnis um den Aufenthaltsort des Gralsbechers mit in das Grab der Templer genommen wurde oder ob danach, wie bei den Katharern, die Tempelritter rechtzeitig eine "helfende Hand" zur Stelle hatten. Es ist aber allerdings auch umstritten, ob der Templerschatz etwas mit dem "Heiligen Gral" oder mit der "Bundeslade" zutun hatte. Vielleicht waren sie sogar im Besitz der beiden.

3. Die heiligen Reliquien des Islams

Es gibt sicherlich noch einige Fragen die im vorherigen Kapitel unbeantwortet geblieben sind, doch ist dies leider nicht zu ändern. Aber die Frage, die mir noch wichtig erscheint, ist die, ob der Islam auch an den "Heiligen Gral" glaubt! Da die Christen "die 7 Kreuzzüge" gegen die Moslems geführt haben, ist dies ein Gedankengang, der leicht anzunehmen ist. Um diese Behauptung zu überprüfen, ziehe ich den "Heiligen Koran" zurate.

Dort steht geschrieben: 157. Und wegen ihrer Rede: "Wir haben den Messias, Jesus, den Sohn der Maria, den "Gesandten" Allahs, getötet"; während sie ihn doch weder erschlugen noch den Kreuzestod erleiden ließen, sondern er erschien ihnen nur gleich (einem Gekreuzigten); und jene, die in dieser Sache uneins sind, sind wahrlich im Zweifel darüber; sie haben keine (bestimmte) Kunde davon, sondern folgen bloß einer Vermutung; und sie haben darüber keine Gewißheit." (4. Sure; 157) 32

Aus dieser Textstelle geht hervor, dass Jesus gar nicht den Kreuztod erlitten hat, sondern es war viel mehr nur eine Illusion für diejenigen, die Jesus angeklagt haben und ihn bestrafen wollten. Dadurch ergibt sich die Vermutung, dass sie nicht an den "Heiligen Gral" glauben, weil es das "letzte Abendmahl" - so wie wir es aus dem christlichen Glauben kennen 33 - zwischen Jesus und seinen Jüngern so nicht gegeben hat.

Aber was viel wichtiger ist, ist dass Josef von Arimathäa, nach dem Lanzenstich, nicht das Blut von Jesu Christi mit dem Kelch aufgefangen hat und hinterher auch den "falschen" Leichnam vergrub.34 Dadurch, ist der "Heilige Gral" für die Moslems völlig irrelevant, da der Becher, ohne jemals eine Berührung mit Jesu gehabt zu haben, keinen Wert als Berührungsreliquie oder ähnlichem besitzt.

Aber man sollte jetzt nicht denken, dass der islamische Glaube keine Heiligtümer besitzt! Eine der wichtigsten Heiligtümer des Islams ist zum Beispiel die Kaaba. Um die Kaaba ranken sich zwar nicht so viele verschiedene mysteriöse Geschichten, wie beim "Heiligen Gral", doch gibt es auch Dinge, die theologisch, sowie historisch sehr interessant erscheinen. Der "Schwarze Stein" ist ein kleiner Teil, welcher der Kaaba angehört, doch seine Herkunft ist bis heute nicht geklärt.

Das Wort Kaaba wird von al- Ka'ba abgeleitet und bedeutet "Würfel". Die Kaaba liegt im Zentrum der "großen Mosche" Mekkas, eine Kleinstadt in Saudi- Arabien. Sie steht auf einer Art Sockel, der den Grundstein symbolisiert. Die Ecken der Kaaba zeigen in die vier Himmelsrichtungen. Das "Gotteshaus" besitzt die Maße 12m * 10m * 15m.

Ein schwarzes Tuch (kiswa) umhüllt heutzutage die Kaaba. Die "kiswa" wird jährlich ausgetauscht und in kleinen Stücken an die Pilger verkauft. Kleine Mosaike schmücken rundherum die Kaaba. An der östlichen Ecke befindet sich der "Schwarze Stein"; es ist die Stelle an der man mit dem Umkreisen beginnt. Die Umkreisung verläuft gegen den Uhrzeigersinn. Beim Rundgang passiert man die Abrahamstätte, welche eine goldfarbene sechsseitige Andachtstätte ist, und die Mauer "Ismael".

Auf einer Seite des Grabes liegt das Grab der Hadschar [ägyptische Sklavin Abrahams Ehefrau Sara. Im Christentum heißt sie Hagar (1 Mose 16,2)]. In der Kaaba selbst befindet sich ein Bußraum, welcher heutzutage mit drei Säulen versehen ist. Sie stützen das Dach. Der Eingang zum "Gotteshaus" liegt zwischen dem "Schwarzen Stein" und der irakischen Ecke (Norden). 35

Adam soll das erste Haus - an der Stelle, an der jetzt die heutige Kaaba steht - errichtet haben. Nachdem der Zahn der Zeit an dem Gebäude genagt hatte, wurde Abraham und sein Sohn von Allah beauftragt, es erneut zu errichten. Vom Engel Djabrail (Erzengel Gabriel) erhielten Abraham und Ismael den "Schwarzen Stein". 36

Allerdings wurde die Kaaba, vor der Zeit des Islams, von anderen Stämmen und Kulten als "Götzentempel" missbraucht. Es wurden Götzenbilder vom Stamm Banu Huza'a 37, welche eine lange Zeit die Herrscher von Mekka waren, aufgestellt. Hubal war eines der Götzenbilder; er war der oberste Hauptgott, des Stammes.38 Dieser herrschte drei Jahrhunderte. Die arabischen Stämme unterbrachen einmal im Jahr, für einige Monate, ihre Fehde und vollzogen eine Wallfahrt nach Mekka. Sie gingen sieben mal um die Kaaba herum.

Allah wurde auch schon vorher von einigen arabischen Stämmen verehrt. Aber dies Stämme waren polytheistisch und verehrten unter anderem die Götter Al-Lat, Al-Uzza und Manat.39 Später setzte Mohamed der Götzenbildverehrung ein Ende. Bei der Bekämpfung des Polytheismus löste er religiöse und geschäftliche Widerstände aus, denn die Kaaba erbrachte den Kaufleuten immense Einnahmen. Nachdem Mohammed den Sieg davon getragen hatte, zerstörte er die Götzenbilder und brachte die Rituale mit dem Islam in Einklang.40 Es wurde zum Beispiel der siebenmalige Rundgang, der Banu Huza'a, übernommen. 41

Für einige Pilger ist das Küssen des "Schwarzen Steins" ein Ziel der Wallfahrt und andere begegnen ihn mit Verachtung. Die Verachtung gegenüber des Steins rührt vom Kalifen Umar. Er sprach: ""Zweifelsohne weiß ich, dass Du nur ein Stein bist. Du kannst niemandem Schaden noch Nutzen zufügen. Wenn ich nicht gesehen hätte, dass der Gesandte Allahs dich geküsst hätte, hätte ich dich nie geküsst."" 42 Seine Abneigung gegenüber dem Stein ist wahrscheinlich mit seiner Vergangenheit zu erklären. Er distanzierte sich, in seinem früherem Leben, deutlich vom Islam und schlug "angeblich" sogar seine Schwester blutig, als sie Verse aus dem "Heiligen Koran" zitierte. Er bereute diese Tat und lies sich bekehren. 43

Es wird behauptet, dass dieser Stein früher einmal milchfarben gewesen sei. Er soll sich schwarz verfärbt haben. Dazu gibt es verschiedene außerkoranische Überlieferungen: "Adam hatte Allah im Paradies die Haltung der göttlichen Gebote versprochen. Damit der Mensch das nicht vergesse, verwandelte Allah einen seiner Engel in eine weiße Perle. Die rollte vor Adam und wurde wieder zum Engel, woraufhin Adam ihn küßte. Allah verwandelte den Engel wiederum, dieses mal in einen schwarzen Stein, der Adam an das Verderbnis erinnerte. Adam trug den Stein nach Mekka, wo Djabrail ihm auftrug, die Kaaba zu erbauen und den Stein dort zu verwahren." 44

Aber es gibt auch noch andere Vermutungen und zwar, dass er ein Meteorit sein soll. Doch wurde er nie wissenschaftlich untersucht. Die Verfärbung soll sich vielleicht auch durch die Sünden der Menschen vollzogen haben.

Mittlerweile ist der Stein, vom vielen Polieren und Küssen, ausgehöhlt. Er wird von einem Silberring zusammen gehalten, da dieser in Bruchstücken vorliegt. Diese Beschädigung stammt von einem Diebstahl im Jahre 931 n. Chr. durch die Qarmaten. 951 n. Chr. wurde der Stein durch die Vermittlung der Fatimiden zurück auch Bahrain nach Mekka gebracht. 45

Die Einsetzung des Steines ereignete sich, als der Prophet Mohammed noch ein kleiner Junge war. Es gab Streitereien unter dem Großstamm (des Islams). Der Großstamm unterteilte sich in verschiedene Klane und jeder wollte die Ehre zuteil haben, den "Schwarzen Stein" in die Kaaba einzufügen. Der Lösungsvorschlag war, dass derjenige die Entscheidung treffen durfte, der als nächstes durch das Tor zur Kaaba passiert. Dies war der kleine Junge Mohammed. Er trug eine Lösung vor, die von allen einverständlich angenommen wurde. Die vier Stammesältesten sollten den Stein auf einem Tuch zur Kaaba tragen. Anschließend nahm Mohammed den Stein und setzte ihn in die Ecke der Kaaba ein. 46

4. Vergleich/ Fazit

Ich hoffe, dass ich einen guten Einblick über die Reliquien des Christentums und Islams geben konnte. Allerdings habe ich auf das Leitthema noch nicht geantwortet, welches wie folgt lautet: Christliche und muslimische Reliquienverehrung an Beispielen. Dies will ich mit diesem Kapitel versuchen.

Christliche Reliquien, sowie die islamischen, haben Gemeinsamkeiten als auch Unterschiede. Die eine Reliquie ist seit Jahrhunderten oder gar Jahrtausenden verschollen und die andere steht gut sichtbar für alle anderen in Mekka. Man macht Wallfahrten zur Kaaba und "Der Heilige Gral" wird noch gesucht. Beide haben Geschichten, die nicht belegt werden können oder noch nicht wurden (siehe "Schwarzer Stein"). Doch eines haben beide gemeinsam und zwar werden beide von ihren Religionen verehrt. Aber die Frage lautet: Warum? Warum verehren einzelne Religionsgemeinschaften Reliquien?

Im Allgemeinen verehrt man die Reliquien um den Respekt und Ehrfurcht vor jener heiligen Person auszudrücken. Das starke Verlangen der Reliquienverehrung führte allerdings schon oft zum Missbrauch und Betrug. Deswegen wurden strenge Gesetze erlassen, die besagen, dass nur - von der Kirche -streng untersuchte Reliquien, sowie durch Urkunden beglaubigte, verehrt werden dürfen. 47

Meiner Meinung nach, musste man dem Menschen im Mittelalter irgendetwas bieten, um ihren Glauben zu festigen. Was läge dann näher, als dass die Kirche etwas über "Heiligtümer" erzählt, welche die Heiligen getragen, berührt oder gar gebaut (Kaaba) haben? Es wäre auch ein geschickter Schachzug der Kirche, über dritte, einen Dichter zu beauftragen, eine interessante Story über etwas zu schreiben, welche die Menschen Jahrhunderte lang faszinieren und beschäftigen würde! Denn wenn behauptet wird, dass diese Reliquie dem Besitzer ewiges Leben, Macht und Reichtum ("Heiliger Gral") bescheren würde, hat man sofort mehr Zuhörer. Die Kirche macht sich dadurch interessanter und es gehen gleichzeitig mehr Menschen in die Kirche. Wer träumt denn nicht davon, den "Heiligen Gral" zufinden und dadurch einmal das Zepter der Macht in der Hand zu halten?

Im Prinzip wird es heute auch noch so gemacht. Die Kirche möchte zum Beispiel nicht, dass die Wissenschaft das "Turiner Grabtuch" untersucht.(Die Bibel erwähnt das "Turiner Grabtuch", als Leinentuch, in dem Jesus, nach seinem Tode, von Josef von Arimathäa, eingewickelt wurde). (vlg. (Mk 15,42-46)) Obwohl wir mit unserer weitfortgeschrittenen Technologie, den Ursprung des Grabtuches und das Alter bestimmen könnten. Der Verstand und die Angst der Kirche, sagt aber, dass die Untersuchungen falsch wären. Fände die Analyse heraus, dass jenes Grabtuch nicht echt ist, verlöre die Kirche auf einem Schlag mehrere Anhänger. Denn Sie würden sich dann fragen warum sie überhaupt in die Kirche gehen, wenn doch alles erlogen ist. Würde die Kirche freiwillig zugeben, dass man seit Jahrhunderten oder gar seit Jahrtausenden auf einem falschen Pfad gewandelt ist? Gebe es dann ein Wort des Bedauerns, von Seiten des Papstes?

Allerdings sind dies nur reine Spekulationen von mir und nicht zu beweisen. Man kann sich zu diesem Thema viele Fragen stellen, doch können und werden diese nie beantwortet werden.




Literatur- und Quellenverzeichnis


© 2007 Florian Hellmann




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